Folgende Punkte sprechen unserer Meinung nach gegen den Hotelneubau:
1. Umwelt- und Klimaschutz
- Verlust alter Bäume in Zeiten, in denen sofortige CO2-Reduktion benötigt wird; die Ersatzpflanzungen bieten unserer Meinung nach für viele Jahre nicht den gleichen ökologischen Wert wie die großen, alten Bäume
- Nachbarschaftlichen Beobachtungen zufolge leben an der Stelle des geplanten Hauses heute viele Tiere und Pflanzen (neben den alten Bäumen auch viele Sträucher, die Sozialräume für Sperlinge sein könnten usw.).
- Es könnte unserer Einschätzung nach zu einer Verschlechterung mikroklimatischer Bedingungen kommen, weil neue Barrieren gegen den Luftaustausch gebaut werden und mehr Speichermasse für Hitze (Baukörper) entsteht.
2. Stadtentwicklung, Milieuschutz, Lärm
- Der Wohncharakter des Blocks (Erhaltungsgebiet) würde unserer Auffassung nach eindeutig geschmälert zugunsten der Beherbungsbetriebe.
- Wäre das Gewicht in Richtung Beherbungsbetriebe verschoben, ließen sich spätere weitere (Aus-)Bauten auf dem Gelände zu diesem Zweck leichter durchsetzen, da sich der Charakter des Geländes verändert hätte. (Das Gelände hält Potential für weitere Aufstockungen oder Neubauten z.B. für noch mehr Hotelbetriebe bereit).
- Das Projekt würde unserer Meinung nach die Nutzung des Areals vom Bildungszweck hin zu Event- und Hotelwirtschaft verschieben, weil nicht ausgelastete Betten an Nicht-Sprachschüler vermietet werden könnten (364 Nächte mal 180 Betten sind ca. 65.000 Übernachtungen pro Jahr als theoretisches Maximum). Alte und neue Eventflächen (auch im Erdgeschoss des Neubaus) in Verbindung mit Übernachtungen könnten einen profitablen Trend in der Branche aufgreifen.
- Durch diese möglicherweise bedeutende Mehrmenge an Touristen könnte die Gentrifizierung weiter verstärkt werden.
- Die Firmenstruktur (Link), die in Verbindung mit den Betreiberinnen von Sprachschule und Stadtbad steht, wirft bei uns Fragen der Verantwortlichkeit und Kontrolle auf.
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Das Gelände könnte zu einem beliebigen Zeitpunkt aus allerlei Gründen nach Fertigstellung veräußert werden – die Folgen für das Quartier wären nicht steuerbar, wenn der mögliche neue Investor sich nicht an alte Zusagen gebunden fühlt
- Das Hotel soll nach öffentlich präsentierter Planung deutlich höher gebaut werden als die meisten Häuser der Umgebung, was die Nachbarn trotz eingehaltener gesetzlicher Abstände unserer Meinung nach noch stärker beeinträchtigt als ohnehin.
- Der neue kleinere Innenhof würde gemäß dieser Planung zur Kastanienallee von zwei Wohnhäusern begrenzt – ohne eine hohe Lärmschutzwand dürften unserer Auffassung nach diese Anwohner viel lauter von Geräuschen betroffen sein als heute, zumal mehr Schall durch den Neubau zu ihnen reflektiert werden dürfte.
3. Verkehr
- Die alleinige Zufahrt des Geländes über die Fahrradstraße Choriner Straße wird von der Bauherrschaft als unproblematisch dargestellt, da die bisherigen Transportfahrzeuge nicht voll ausgelastet seien. Eine Berechnung dazu wurde aber nicht vorgelegt. Vielmehr werden bestimmte Szenarien vorausgesetzt (z.B. alle Gäste kommen ohne Auto, bisherige Lieferungen und Abholungen passen in bisherige Lastwagen). Wir gehen davon aus, dass bei einem solch großen Hotel die Wahrscheinlichkeit zusätzlichen Liefer‑, Taxi‑ und Gästeverkehrs die Funktion der Fahrradstraße und die Wohnruhe deutlich beeinträchtigen können.
- Wir gehen davon aus, dass es während der Bauphase zu mehr Verkehr durch z.T. schwere LKW kommt, die ganze Hausmodule anliefern sollen
- Zwei Kitas und eine Schule im unmittelbaren Umfeld verschärfen in unseren Augen die Verkehrssicherheitslage.
4. Vorhandene, nachbarschaftliche Probleme mit Sprachschule und Stadtbad
- Langjährige Probleme, die uns von Nachbarn der Sprachschule und des Hotels im Stadtbard berichtet werden, und z.B. in Form von Lärmprotokollen vorliegen, wurden unserer Meinung nach bislang kaum berücksichtigt. Vor allem nächtlicher Lärm wird von den Anwohnern berichtet: Veranstaltungen mit lauter Bühnentechnik, Glasentsorgung, Lieferungen, Motoren im Leerlauf, Abbau von Events nach 22 Uhr, aber auch Reisebusverkehr mit Parken in zweiter Reihe, Nutzung einer als Feuerwehrzufahrt geplanten schmalen Zufahrt direkt an einem Mietshaus.
5. Demokratiedefizite, Finanzierung des Bezirks, fehlende Grünsatzung
- In der BVV-Bauausschusssitzung zum Thema wurde die zeitlich knappe Tagesordnung durch einen mindestens 45 Minuten dauernde, teils unleserliche Bildschirmpräsentation der Bauherrinnen gedehnt. Der Beitrag der Bürgerschaft wurde nach wenigen Minuten unterbrochen. Sollte dies tatsächlich Regeln einer Ausschuss-Sitzung entsprechen, so sind diese Regeln zu ändern, um Demokratie zu stärken in Zeiten, in denen sie bedrohter ist als zuvor.
- Berechtigte Fragen der Anwohnerschaft blieben bisher unbeantwortet.
- Laut Auskunft von Insidern und Politikern hat das Bezirksamt für die korrekte Bearbeitung von Bauvorhaben vor allem im Bereich des Naturschutzes zu wenig Mitarbeitende. Diese seit vielen Jahren andauernde Situation führt dazu, dass Naturschutzbelange im Bezirk regelmäßig nicht berücksichtigt werden. Aber auch die Menge und die Kompetenz von Mitarbeitenden im Bereich der Bauplanung wurde uns gegenüber angezweifelt – für uns nachvollziehbar aufgrund des Verhaltens der Verwaltung in Bezug auf dieses Projekt!
Die Politik muss sich mit Priorität mit der Frage beschäftigen, wie endlich mehr und kompetentere Mitarbeitende gewonnen werden können! Muss in Zeiten eines Fachkräftemangels nicht endlich mehr Geld in die Hand genommen werden, damit die Verwaltung mit den Gehältern der Privatwirtschaft mithalten kann? - Fehlende Grünsatzung für private Gelände: Es mangelt in Berlin an einem Regelwerk, das auch Besitzern privater Grundstücke Vorgaben für Bäume und Grün macht – während die öffentliche Hand Geld für 1 Million Bäume ausgeben will.*
* Der „Landschaftsplan Prenzlauer Berg“ mit seinem „Biotopflächenfaktor“ jedenfalls scheint nicht effektiv zu wirken.
Wir bleiben fair: Argumente der Bauherrinnen
Es sollen nicht nur Grünflächen bebaut werden, sondern auch ein bisheriger Parkplatz (Schotterfläche) sowie kleinere Flächen mit Betonplatten.
Die Bauherrinnen haben laut eigenen Angaben den Bau eines Holzhauses geprüft, was aber aus aus Brandschutzgründen nicht möglich gewesen sei. Das Haus soll aber teilweise Holzwände enthalten.
