Grüne sind gegen neue Hotels, aber ihr Baustadtrat will eines genehmigen
Der zuständige Pankower Stadtrat Cornelius Bechtler wird wohl ein neues 180-Betten-Hotel, höher als die meisten Nachbarhäuser, mitten im Prenzlauer Berg genehmigen. Alte Bäume müssten weichen.

Laut dieses Artikels des Tagesspiegels kritisieren Bündnis 90/Die Grünen ein „riesiges Überangebot“ an Hotels in Berlin. Trotz sinkender Übernachtungszahlen seien Tausende neue Hotelbetten geplant. Doch da, wo sie Einfluss hätten, nutzen die Grünen ihn nicht, im Gegenteil. Sie verschanzen sich z.B. hinter einer angeblich eindeutigen Gesetzeslage (was wir hier widerlegen) und nennen das Hotel sogar ein Studierendenwohnheim, übernehmen also direkt Narrative der Bauherrschaft: Zwar sollen dort auch Touristen untergebracht werden, die Sprachen lernen, doch ebenso andere Gäste, die nichts mit dem Sprachschulbetrieb zu tun haben – wie heute übrigens auch schon.
In den letzten zwei Jahren sind rechnerisch 1280 Bäume in Pankow verschwunden!* Wie soll das enden?** Altbäume sind durch ihr Wurzelsystem, dass Trockenperioden trotzden kann, praktisch nicht ersetzbar, heißt es in diesem Artikel: „Je älter ein Baum ist, desto mehr kann er leisten. Eine 80 Jahre alte Linde bilde jährlich 89.000 Liter Sauerstoff und binde 160 Kilogramm CO2 – eine 20 Jahre alte Linde bilde dagegen nur 10.000 Liter Sauerstoff und binde 18 Kilogramm CO2. Für einen gefällten Altbaum mit einer 20 Meter großen Krone brauche es etwa 400 neue Jungbäume, um den Verlust auszugleichen, heißt es in einer Studie der Technischen Universität Dresden.“
Wir, Bürgerinnen und Bürger des Prenzlauer Bergs, protestieren aus vielen Gründen gegen die Pläne der Betreiber der Sprachschule GLS, ein großes Hotel in den Innenhof zwischen Kastanienalle, Schwedter-, Choriner und Oderberger Straße zu bauen.
Wir sind nicht per se gegen Tourismus. Wir begrüßen ausdrücklich, wenn mittelständische Unternehmen im Bezirk Pankow in sinnstiftende Projekte investieren wollen. Es geht uns vielmehr um die Auswirkungen auf die Natur und die Stadtgesellschaft.
Lesen Sie mehr darüber unter dem Punkt BAUVORHABEN.
Inzwischen hat sich eine weitere Initiative für Wohnraum statt Hotels gebildet:
DU BIST DER KIEZ!
Dort sind u.a. weitere wichtige Aspekte der skandalösen Historie des Falles aufgeführt.
* Quelle: Kleine Anfrage KA-1178/IX an das Bezirksamt
** Die Natur ist an vielen Stellen in Berlin akut bedroht: hier zur Aktion des BUND.
Wir möchten an dieser Stelle folgenden Politikerinnen und Politikern danken, die dafür gesorgt haben, dass Äußerungen von Meinungen wie diese zum Bauprojekt weiterhin öffentlich möglich bleiben:
– Axel Lüssow, Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Pankow
– Friedrich Ehrhardt
– Daniela Billig, Mitglied des Abgeordnetenhauses